Behandlung von Allergien / verwandten Erkrankungen

Allergien sind heute wirksam und üblicherweise ohne Nebenwirkungen behandelbar.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Therapie individuell angepasst werden.
Möglich sind verschiedene Behandlungsansätze.

Vermeidung Auslöser Karenz

Karenz

 

Hierunter versteht man die Vermeidung des Allergieauslösers. Dazu muss
dieser natürlich zunächst identifiziert werden.

Die Karenz ist theoretisch die beste Therapie, da ohne Kontakt zum Auslöser keine allergischen Beschwerden auftreten, sie nichts oder wenig kostet und keine Nebenwirkungen hat.

Sie ist jedoch nicht bei jeder Allergie möglich.  Es kann schwierig oder unmöglich sein, einen Allergieauslöser selbst zu identifizieren, insbesondere bei ganzjährig anhaltenden Beschwerden. Mitunter sind selbst ergriffene Maßnahmen wirkungslos, teuer und aufwändig (z.B. Wohnraumsanierungen) oder ungesund/gefährlich (ungeeignete Diäten oder Medikamente).


Rhinitis Nasenspray

Medikamente

 

Medikamente lindern die Symptome, ohne allerdings die allergische Grunderkrankung selbst zu beeinflussen. Eine Pollenallergie beispielsweise ist mit Medikamenten gut behandelbar, tritt aber in den Folgejahren erneut auf.

 

 

Die Medikamentenbehandlung bei Allergien hat gegenüber anderen Krankheiten mehrere Vorteile:

  • oft lokal möglich (Auge, Nase, Lunge, Haut), ohne dass also der ganze Körper behandelt werden muss
  • gute Wirksamkeit
  • Nebenwirkungen sind bei korrekter Anwendung die Ausnahme (und können ggf. durch einen Präparatewechsel umgangen werden)

Spezifische Immuntherapie Hyposensibilisierung Desensibilisierung

Spezifische Immuntherapie

(Hyposensibilisierung)


Allergien verlaufen chronisch über Jahrzehnte, die meisten Patienten machen eine "Karriere" mit Ausweitung des Allergie-Spektrums und der Symptome durch (z.B. Entwicklung eines Asthmas bei Pollen- oder Hausstaubmilben-Allergie).

 

Die Spezifische Immuntherapie ist die einzige Kausalbehandlung, die den Langzeitverlauf verbessern kann. Sie wird mit dem schuldigen Allergieauslöser (nicht mit Medikamenten) durchgeführt, greift ursächlich in die Allergie ein und führt bei den meisten Patienten zu jahrelang anhaltender Symptomlinderung, Senkung des Medikamentenbedarfs und Verbesserung der Lebensqualität. Kinder, die eine Immuntherapie durchgeführt haben, entwickeln 45% weniger Asthma als unbehandelte Kinder (PAT- & GAP-Studie, durchgeführt über 10 bzw. 5 Jahre).

 

Die Chance für ein Ansprechen auf die Immuntherapie liegt für Pollen bei 85-90%, für Milben bei 80%, eine akkurate allergologische Abklärung vorausgesetzt (bei unpräziser Abklärung oder Durchführung liegen sie darunter). Bei Pollen- und Milbenallergien werden durchschnittliche Symptomreduktionen um 2/3 oder mehr erreicht, mit entsprechendem Rückgang des Medikamentenbedarfs. Bei Insektengiftallergien beträgt der Schutz 80-85% (Bienen/Hummeln) bzw. >95% (Wespen/Hornissen).

 

Die Immuntherapie kann nicht bei jeder Allergie durchgeführt werden. Sie soll aus o.g. Gründen nur nach allergologischer Abklärung erfolgen; dies ist auch die Voraussetzung für die Erstattung der Kosten durch die Krankenversicherung (Limitation). Je nach Allergen werden Injektionen unter die Haut (subkutan) verabreicht, oder es ist eine Behandlung in Tablettenform zuhause möglich.

 

So werden Pollen-Extrakte für die Immuntherapie hergestellt: Grafik


Biologika

 

Biologika revolutionieren viele medizinische Fachbereiche und gewinnen auch in der Allergologie zunehmend an Bedeutung. Sie wirken hochspezifisch auf einzelne Botenstoffe oder Zellen. Mit ihnen gelingt die Therapie bestimmter Erkrankungen sehr erfolgreich, bei denen man  bislang nur ungenügend helfen konnte oder Erfolge mit einem hohen Behandlungsrisiko erkaufen musste. Die Behandlungsrisiken der nachfolgend genannten Biologika sind klein.

  • Anti-IL-4/13 (Dupilumab) zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (atopischer Dermatitis)
  • Anti-IL-5 zur Behandlung von schwerem Asthma oder vom Hypereosinophilen Syndrom  (z.B. Mepolizumab, Benralizumab)
  • Anti-IgE zur Behandlung von chronischer Urticaria und schwerem allergischen Asthma (z.B. Omalizumab)

Damit die Kosten von der Grundversicherung übernommen werden, sind Limitationen einzuhalten. 


Diäten und Ernährungsumstellungen

 

sind nur sinnvoll, wenn tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie oder -Intoleranz vorliegt. Alle übrigen Erkrankungen aus dem allergologischen Formenkreis können mit Diäten nicht behandelt werden, insbesondere nicht Asthma oder Neurodermitis (sofern eine kausale Nahrungsmittel-allergie nicht testmäßig nachgewiesen wurde).

 

Allzu oft werden unnütze oder gar schädliche Diäten aufgrund von Eigenrecherchen oder Ratschlägen von medizinischen (Halb-) Laien durchgeführt. Bei wellenförmigem Verlauf der Grunderkrankung haben Diäten große Placeboeffekte.

 

Insbesondere sollte ohne medizinischen Grund (Allergie oder Zöliakie) keine glutenfreie Diät erfolgen. Die Existenz der sogenannten Nicht-Zöliakie-Gluten-Intoleranz (NCGI) ist umstritten bzw. nicht hinreichend nachgewiesen. Glutenarme Ernährungen haben verschiedene Nachteile (soziale Einschränkung, hohe Kosten, unsichere Glutenfreiheit, mögliche erhöhte Schwermetallaufnahme, z.T. ungünstige Ernährungsmuster).

 

Auch von der routinemäßigen Anwendung von Probiotika oder "Bakteriencocktails" muss zurzeit noch abgeraten werden. 


Hautpflege Salbe Creme Lotion Emollentien

Weitere Maßnahmen

 

Allergien sind genetisch bedingt und deshalb grundsätzlich langfristige (chronische, oft Jahrzehnte anhaltende) Erkrankungen.
Die Betroffenen haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, wie stark sie unter ihren Beschwerden leiden.

 

(Selbst-) Hilfe kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Diagnose bekannt ist. Gutgemeinte Ratschläge von Bekannten oder Internet-Recherchen führen oft zu mehr Verunsicherung als Klarheit. Insbesondere vor Internet-Recherchen muss abgeraten werden wegen der Unzahl unseriöser Inhalte. Nicht selten wird eine korrekte Diagnose erst nach Jahren gestellt;  wirksame Behandlungen werden so verpasst.

 

Eine exakte Diagnose zu stellen und die Behandlungsstrategie individuell anzupassen, ist Aufgabe der allergologischen Abklärung. Sie ermöglicht den Betroffenen weitgehendes Selbstmanagement.


Behandlungserfolge und -misserfolge

 

Allergien sind heute gut behandelbar. Viele Misserfolge sind auf Fehldiagnosen (es wird eine Allergie diagnostiziert, wo gar keine vorliegt - oder umgekehrt), falsche Beratungen, unnütze Behandlungen, vorzeitige Behandlungsabbrüche oder ungünstige Medikamente zurückzuführen.

 

Gerade bei Allergien gibt es einen riesigen Markt nutzloser Tests, Therapien und Heilsversprechungen. Es ist für den medizinischen Laien schwierig, zwischen seriösen und unseriösen Angeboten zu unterscheiden und die Informationsflut zu interpretieren. Der Selbstinformation via Internet, Bekannte, Erfahrungsberichte usw. sind deshalb Grenzen gesetzt.

 

Gute Informationsquellen finden Sie unter Links