Auslöser (Allergene)

Heute sind über 200.000 Allergieauslöser (Allergene) bekannt. Mann kann unterscheiden zwischen

  • Feinstäuben & Aerosolen
  • Nahrungsmitteln
  • Medikamenten
  • Insektengiften
  • Chemikalien & Berufsallergenen
Verwandte Allergene können zu sogenannten Kreuzreaktionen führen.

Pollen Blütenstaub
Feinstäube, Aerosole
 
Feinstäube wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierallergene können nicht nur Symptome an Auge, Nase und Rachen auslösen, sondern häufig auch der Lunge (Asthma). Oft sind hier auch Neurodermitis und spezielle Nahrungsmittelallergien (Kreuzallergien) vorhanden.
 
Diesen Symptomkomplex nennt man Atopie. Ihr liegen genetische Faktoren zugrunde, weshalb die Betroffenen eine lebenslange Reaktionsbereitschaft haben. Sie kann nicht
durch Behandlungen "gelöscht" werden und
Spontanheilungen sind wesentlich seltener als früher angenommen. Meist treten die Beschwerden über Jahrzehnte immer wieder auf; oft dehnen Symptome und Auslöserspektrum sich mit den Jahren aus.
 
Typisch ist der wechselhafte Verlauf mit mal schweren, mal leichteren Symptomen; auch die Art der Symptome kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die Atopie kann jederzeit im Leben neu auftreten. Meist beginnt sie bereits im Kindesalter.
 
Die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit ist die Spezifische
Immuntherapie (Hyposensi-bilisierung). Sie bringt den meisten Patienten lang anhaltende Verbesserungen hinsichtlich Beschwerden, Medikamentenbedarf und Asthmarisiko.

Nahrungsmittel Allergie Kreuzallergie

Nahrungsmittel

 

Zahlreiche Nahrungsmittel können Allergien auslösen. Man unterscheidet primäre (gefährliche) und sekundäre (meist harmlose) Formen.
Die Beschwerden können vielfältig sein und reichen von Brennen im Mund über Atemnot, Schwellungen, Nesselfieber und Magen-Darm-Symptomen bis hin zum Schock (Anaphylaxie) und Todesfällen. 
Neben Allergien gibt es auch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten (Intoleranzen, Aversionen usw.), z.B. auf Milch, Milchzucker (Lactose), Fruchtzucker (Fructose), biogene Amine in Nüssen etc.

Medikamente Allergie Intoleranz

Medikamente

 

Reaktionen auf Medikamente sind sehr häufig. Mitunter lassen die Symptome gar nicht an das Medikament als Auslöser denken (Leber-, Nierenentzündungen, bestimmte Hautveränderungen).

Häufiger als echte Allergien sind Unverträglichkeiten (Intoleranzen),  z.B. auf Schmerzmittel ("NSAID-Intoleranz"). Frei in Apotheken erhältliche Schmerzmittel lösen häufiger gefährliche Reaktionen wie Atemnot und Schockzustände aus als beispielsweise Antibiotika. 
 
Medikamentenallergien oder -intoleranzen sollen innerhalb von 6 Monaten nach Indexreaktion abgeklärt werden, nicht nur, weil sie gefährlich sein können und Kreuzreaktionen zu verwandten Medikamenten häufig sind, sondern auch, weil 9 von 10 vermuteten Allergien keine sind. Rund 10% der Bevölkerung tragen den Stempel "Penicillinallergie" zu unrecht. Dadurch werden häufig unnötigerweise Breitbandantibiotika verschrieben, was die Bildung resistenter Bakterien fördert. 
 
Medikamentenallergien ("Das Immunsystem ist schuld") muss man von Nebenwirkungen ("Das Medikament ist schuld") unterscheiden. Bezogen auf alle negativen Medikamenten-Effekte handelt es sich bei ca. 85% um Nebenwirkungen, bei ca. 15% um Allergien/Pseudoallergien.

Insektengift Allergie

Insektengifte

 

sind in Europa die häufigste Ursache für Anaphylaxien. Relevant sind Biene/Hummel und Wespe/Hornisse. 4-5% der schweizerischen Bevölkerung haben eine Insektengiftallergie. Sie dauern lebenslang an, was aber nicht bedeutet, dass Allergiker auf jeden Stich gleichermaßen reagieren.
Insektengiftallergien führen schnell (durchschnittlich nach 7 Min.) zu Ganzkörperreaktionen wie Nesselfieber, Schwellungen, Atemnot, Bauchkrämpfen bis hin zum Schock. Sie sind potenziell lebensbedrohlich und sollen deshalb immer abgeklärt werden.
 
Nebst einem Notfallset (immer inkl. Adrenalin-Injektor - Tabletten allein schützen nicht!) kommt hier bei schwereren Reaktionen oder in Risikokonstellationen auch die Spezifische Immuntherapie zum Einsatz, welche (im Vergleich zu anderen Allergenen) bei Insektengiftallergien besonders gut wirksam ist.
Jemand, der nur lokal auf einen Insektenstich reagiert hat (auch schwer, z.B. ganze Extremität), soll nicht abgeklärt werden, da hierbei keine gefährlichen Symptome zu erwarten sind.

Kontaktallergie Kontaktekzem
Chemikalien
 
Der Mensch hat 50.000-70.000 Chemikalien erschaffen. Chemikalien können Haut-, Schleimhaut- und Atemwegsbeschwerden auslösen, irritativ, toxisch oder allergisch bedingt. 
Allergien auf Chemikalien spielen eine große Rolle bei Berufserkrankungen (s.u.), aber auch im Alltag (Kosmetika, Naildesign, Coiffeurprodukte, Körperpflegeprodukte, Schmuck/Metalle etc.). Über 4500 Kontaktallergene sind bekannt.

Die Auslöser sind mittels Epikutantest identifizierbar, so dass die Betroffenen sie gezielt meiden können. Epikutantests werden in adäquater Form nur von wenigen Praxen/Zentren durchgeführt. 

Berufserkrankung Berufsallergie
Berufsallergien
 
Berufserkrankungen sind häufig. Viele von ihnen wären durch eine rechtzeitige Vorsorgeuntersuchung und Beratung vermeidbar. Die korrekte Beratung erfordert eine entsprechende medizinische Ausbildung; es soll weder übervorsichtig noch verharmlosend beraten werden. 
Berufliche Substanzen können sämtliche allergische Symptome auslösen. Oft müssen die Betroffenen berufliche Maßnahmen ergreifen (z.B. optimierter Schutz, innerbetriebliche Versetzung), mitunter wird eine Umschulung erforderlich. Deshalb werden in einigen Sparten Vorsorgeabklärungen verlangt (z.B. Bäcker).
Mittels Abklärung kann der Auslöser identifiziert, das gesundheitliche Risiko bestimmt und so das weitere Procedere im Interesse der Betroffenen festgelegt werden. Patienten mit Berufserkrankungen sind versicherungstechnisch gut abgesichert (Lohnausfall, Abklärungs- und Behandlungskosten, Umschulung). Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen ist eine exakte Diagnose. Weitere Informationen: Suva
Einige Beispiele:
  • Bäcker: Asthma, Nasen-, Augenprobleme, Hautausschläge
  • Coiffeuse, Kosmetikerin, Naildesignerin: Ekzeme, Asthma
  • Koch: Ekzeme, Asthma, Nesselfieber, Schockzustände
  • Hoch-/Tiefbau: Ekzeme, Asthma  
  • Landwirt: Farmerlunge, Asthma, Augen-, Nasenbeschwerden, Hautausschläge

 


Kreuzallergie Rekombinant Allergen
Kreuzreaktionen (Kreuzallergien)
 
Hierunter versteht man eine allergische Reaktion auf ein Molekül (meist ein Protein), das in verschiedenen Trägern enthalten ist.
 
Beispiel: Bei der Baumpollenallergie sind die meisten Menschen auf Bet v 1 allergisch, ein Protein, das v.a. in Birkenpollen vorkommt. Da viele andere Bäume mit der Birke verwandt sind, enthalten sie ebenfalls Bet v 1, so dass die Patienten auch auf deren Pollen allergisch reagieren (z.B. Hasel, Buche, Erle etc.), oder auch auf verwandte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Kern- und Steinobst, Sellerie/Karotte etc.).
 
Kreuzreaktionen gibt es nicht nur bei Pollen, sondern auch bei Milben (Krustentiere), Nahrungsmitteln, Latex (diverse Nahrungsmittel, Ficus usw.), Insektengiften, Medikamenten u.a.m.
Da Kreuzallergien durch unsichtbare Allergene und nicht durch den sichtbaren Auslöser verursacht werden, ist die Systematik für den Nichtallergologen kaum durchschaubar.